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Patienteninformationen

1. Was ist Krebs

Ursachen von Krebs

Die Ursachen von Krebs sind häufig unbekannt. Potenzielle Ursachen sind Viren, ionisierende Strahlen, bestimmte Chemikalien und Asbest. Selten können auch bestimmte Chemotherapie Medikamente oder Strahlentherapie Jahre später Krebs verursachen.

Entstehung von Krebs

Wenn sich körpereigene Zellen in einem Gewebe oder Organ unkontrolliert vermehren, dabei gesundes Gewebe verdrängen oder sogar in benachbarte Organe oder Gewebe eindringen, entsteht Krebs. Krebs Zellen können sich über die Blutgefäße oder das Lymphsystem ausbreiten und so Tochtergeschwülste (Metastasen) ausbilden.

Tumore die nur verdrängend wachsen, nicht in benachbartes Gewebe und Nachbarorgane hineinwachsen und somit auch keine Tochtergeschwülste bilden, sind gutartige Tumore.

Arten von Krebs

Es gibt viele verschiedene Arten von Krebs. Grundsätzlich unterscheidet man Krebs von soliden Organen (z.B. Brust, Prostata, Lunge, Darm, Niere) von  akuten oder chronischen Blutkrebserkrankungen, Lymphdrüsenkrebs sowie knocheneigenen Tumore. Dabei gibt es keine typischen Symptome für eine Tumorerkrankung. Nachtschweiß, Appetitmangel und Gewichtsabnahme sind unspezifische Symptome von fortgeschrittenen Krebserkrankungen, aber auch von chronischen Entzündungsreaktionen und Infektionskrankheiten wie z.B. Tuberkulose oder AIDS.

2. Diagnostik von Krebserkrankungen

Anamnese und körperliche Untersuchung

Am Anfang jeder ärztlichen Tätigkeit steht das Gespräch mit dem Patienten über seine Beschwerden (z.B. Art, Umfang, Dauer). Anschließend kommt eine ausführliche körperliche Untersuchung.

Gewebeprobeentnahme

zur Sicherung der Tumordiagnose muss fast immer eine Gewebeprobe entnommen werden. Wenn Tumore schwer zugänglich sind kann die Gewebeprobeentnahme kompliziert sein und muss gegebenenfalls mehrfach wiederholt werden.

Laborchemische Untersuchungen

Hier können erste Aussagen über wichtige Organfunktion wie z.B. Leber- und Nierenfunktion getroffen werden.  Verschiebungen von Blutsalzen können erkannt werden. Tumormarker können bestimmt werden. Tumormarker sind Stoffe die von dem Tumor gebildet und in das Blut abgegeben werden. Sie können als Verlaufsparameter  genutzt werden. Hinweise auf Blutbildungsstörungen oder Abbau von Blutzellen im Körper können den behandelnden Arzt helfen die Diagnose einzugrenzen.

Im weiteren Sinne gehören zytogenetische Laboruntersuchungen zum Nachweis von chromosomalen Veränderungen, sowie molekulargenetische Untersuchungen und Immunphänotypisierungen auch zur laborchemischen Verfahren mit denen man gezielte genetische Veränderungen herausfinden kann um die Diagnose zu sichern oder zu untermauern.

Zu den neuesten Diagnoseverfahren gehört die Liquidbiopsie (die flüssige Gewebeprobe)  und Next Generation Sequencing (NGS= Untersuchung des gesamten genetischen Materials.). Hierbei können bereits heute viele Tumoreigenschaften durch eine einfache Blutentnahme herausgefunden werden. Die liquide Biopsie kann z.B. in der Verlaufsbeurteilung einer Tumorerkrankung oder zur Therapieentscheidung vor einer Zweitlinientherapie sehr hilfreich sein.

Apparative Diagnostik
Sonografie

Hierbei werden mit Hilfe von Ultraschallwellen Bilder von Organen erstellt. So können  z.B. Bauchorgane (insbesondere Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Lymphknoten, Harnblase), die Schilddrüse oder Gefäße (z.B. hirnversorgende Gefäße, Bauchgefäße, Extremitätengefäße) sehr gut untersucht werden.

Röntgen

Röntgenstrahlen gehen durch den Körper und es entsteht ein Bild in einer Ebene. Gut darstellbar sind z.B. Knochen und Spiegelbildungen im Magen-Darm-Trakt.

Computertomografie

durch rechenbasierte Auswertung einer Vielzahl, aus verschiedenen Richtungen aufgenommenen Röntgenaufnahmen eines Objektes werden Schnittbilder erzeugt (Schicht Röntgen).

Magnetresonanztomografie

Der Begriff Tomografie stammt aus dem griechischen und bedeutet Schnittbild. Die Untersuchung wird durch einen Computer gestützt und liefert ohne die Anwendung von Röntgenstrahlung (ionisierender Strahlung) eine detaillierte Darstellung von Organen und Geweben im Körperinneren. Mit einer MRT kann der ganze Körper durchleuchtet werden, aber auch einzelne Körperbereiche.

Endoskopische Untersuchung

Mit Hilfe der Endoskopie (Spiegelung) werden Untersuchungen von Körperhöhlen und Hohlorganen durchgeführt.  Dabei kann man Krankheiten erkennen und gegebenenfalls gleich behandeln (z.B. Abtragung eines Polypen im Dickdarm). Es gibt die herkömmliche Endoskopie und die Kapselendoskopie.

3. Begriffserklärung

Kurativ

bedeutet dass man die Erkrankung heilen kann.

Palliativ

bedeutet, dass man die Erkrankung nicht mehr heilen kann. Trotzdem sind die meisten Erkrankungen mit innovativer Therapie gut behandelbar, sodass man sie zurückdrängen und lange kontrollieren kann, damit die Patienten eine gute Lebensqualität haben.

Best supportive Care

bedeutet, dass man die Erkrankung selbst nicht mehr mit spezifischen Medikamenten oder therapeutischen Eingriffen behandelt, sondern dass man die Symptome behandelt und kontrolliert.

Komplette Remission

bedeutet das mit den zur Verfügung stehenden diagnostischen Mitteln im Körper keine Krebszellen mehr nachweisbar sind.

Partielle Remission

bedeutet dass die Tumorgröße im Lauf der Behandlung um mindestens die Hälfte reduziert werden konnte.

No Change

bedeutet Rückgang der Tumormanifestation um weniger als 30% und keine Zunahme der Tumormanifestation um mehr als 20%

Progression

bedeutet Zunahme der Tumormanifestation um mehr als 20% oder der Nachweis neuer Tumorherde

Rückfallfreies Intervall

(PFS) ist die Zeit von der kompletten Remission bis zum Wiederauftreten der Erkrankung. Wenn eine Tumorerkrankung 5 Jahre lang nicht rückfällig war sind die Aussichten auf dauerhafte Heilung je nach Krebsart vergleichsweise gut.

4. Therapiemöglichkeiten

chirurgische Therapie

Viele Tumore können wenn sie früh genug diagnostiziert werden, restlos operativ entfernt werden. Das ist die beste Voraussetzung für ein Langzeit Überleben. Manchmal erscheinen Tumore grenzwertig operativ. Dann kann häufig durch eine vorgeschaltete systemische Therapie (Chemotherapie/Immuntherapie/Therapie mit kleinen Molekülen) eine Operation ermöglicht werden. Diese Art der Vorbehandlung nennt man neoadjuvante Therapie.

Klassische Chemotherapie

verschiedene Stoffgruppen, die die Zellteilung hemmen. Da Tumorzellen sich schneller teilen als körpereigene Zellen, werden sie hauptsächlich zerstört. Chemotherapie gibt es in Form von Infusionen und Tabletten.

Weitere Medikamente

Substanzen, die  verschiedene Zellfunktionen wie z.B. den Abbau von nicht mehr gebrauchten Proteinen, Signalübertragung innerhalb der Zelle, Immunmodulation oder Gefäßwachstum verändern. Diese gibt es in Form von Infusionen, Tabletten und in Form von Spritzen unter die Haut. Hier sind insbesondere die neuesten Entwicklungen in der Medizin wie z.B. die Chekpoint Inhibition mit Antikörpern oder die Car- T-Zell Therapie die zielgenau bestimmte Oberflächenmerkmale auf den Tumorzellen erkennen können und die Tumorzelle für das Immunsystem zugänglich machen oder direkt attackieren können besonders nennenswerte und zukunftsorientierte Therapieoptionen.

Therapiemöglichkeiten/lokale Therapie
Strahlentherapie

Ziel ist, Tumorzellen zu zerstören und dabei gesundes Gewebe soweit wie möglich zu schonen. Man unterscheidet zwischen kurativer und palliativer Strahlentherapie. Bei einer kurativen Strahlentherapie ist das Ziel die Heilung der Tumorerkrankung, wenn dies möglich ist. In einigen Fällen genügt dafür der alleinige Einsatz von Strahlen. Andere Tumore sprechen besser auf eine kombinierte Chemo Strahlentherapie an. Eine palliative Behandlung hat zum Ziel Beschwerden zu lindern oder zu beseitigen wie z.B. Schmerz, Bewegungseinschränkung, Harnstauung, Schluckbeschwerden oder Luftnot. Auch die Verhinderung drohender Komplikation wie z.B. Knochenbrüche oder Lähmungen zählt zur palliativen Therapiezielsetzung.

Zur Behandlung können 2 Arten von Strahlen eingesetzt werden. Die ultraharten Röntgenstrahlen die sich vor allem für die Therapie tief liegender Tumore eignen. Und die Elektronen, die nur wenige Zentimeter ins Gewebe eindringen und deshalb sehr gut zur Behandlung nahe der Oberfläche gelegener Tumoren geeignet sind. In den meisten Fällen erfolgt die Bestrahlung von außen, dass heißt die Strahlung wird mit einem speziellen Bestrahlungsgerät produziert und durch die Haut auf den im Körper liegenden Tumor gelenkt. In bestimmten Fällen müssen Tumore auch gleichzeitig oder nur von innen mit direktem Kontakt zum Tumor oder ehemaligem Tumorbett bestrahlt werden. Diese Art der Bestrahlung ist in Form einer Brachytherapie oder Afterloading möglich.

Weitere lokale Therapiemöglichkeiten

zu Ihnen gehören Therapien wie die Radiofrequenzablation (RFA) Mikrowellenablation (MWA) selektive interne Radiotherapie (SIRT) transarterielle Chemoembolisation (TACE) oder die transarterielle Embolisation (TAE) und die  Kryotherapie.

5. Therapiestrategien

Die Therapiestrategie ist abhängig von der Krebsart, ihrer Unterart, von bestehenden Mutationen, Risikofaktoren, den Begleiterkrankungen des Patienten, der Tumormutationslast,  sowie der Patientenpräferenz. Die Therapiestrategie richtet sich nach dem Therapieziel, welches man mit den Patienten vor Beginn jeder Therapie festlegt. Bei lokalisierten Tumorerkrankungen ist das Ziel wenn immer möglich die Heilung. In fortgeschrittenen Tumorstadien gewinnt die systemische Therapie an Bedeutung (z.B Chemotherapie oder Immuntherapie) weil sie auf den ganzen Organismus einwirkt und Tumorzellen im gesamten Körper also systemisch bekämpft. Die Systemtherapie sollte wenn immer möglich mit lokalen Therapiemaßnahmen wie z.B die nachträgliche Operation, Radiofrequenzablation, Mikrowellenablation, selektive interne Radiotherapie, transarterielle Chemoembolisation, transarterielle Embolisation oder Kryotherapie kombiniert werden um ein bestmögliches Ansprechen zu erreichen. Dabei ist das oberste Ziel nicht eine Lebenszeitverlängerung um jeden Preis. Vielmehr muss eine genaue Nutzen Risikoabwägung erfolgen und die Lebensqualität und Zufriedenheit des Patienten im Mittelpunkt aller Entscheidungen stehen.

6. Nachsorge von Krebserkrankungen

Für einige Krebserkrankungen gibt es strukturierte Nachsorgeprogramme aus denen erkennbar ist, nach welchem Zeitpunkt, welche Untersuchungen durchgeführt werden sollten (körperliche Untersuchung, Labor eventuell mit Tumormarkern, Sonografie, Schnittbildgebung). Aber bei vielen Krebserkrankungen wird die Nachsorge individuell durchgeführt nach den Bedürfnissen des Patienten und an das Risikoprofil angepasst.

7. Vorsorge

Für einige häufige Krebserkrankungen gibt es Vorsorgeprogramme und Untersuchungen so z.B. für

  • genital Untersuchungen (jährlich) auf Gebärmutterhalskrebs bei Frauen ab dem Alter von 20 Jahren
  • Brust Untersuchung (jährlich) bei Frauen ab dem Alter von 30 Jahren
  • Mammografie Screening (alle 2 Jahre) bei Frauen ab 50 Jahren bis zum Ende des 69. Lebensjahr
  • Prostata Untersuchung, genital Untersuchung ( jährlich), Tastuntersuchung der Lymphknoten bei Männern ab dem Alter von 45 Jahren
  • Ganzkörperuntersuchung der gesamten Haut (alle 2 Jahren) bei Frauen und Männern ab 35 Jahren
  • zur Vorbeugung von Darmkrebs Test auf verborgenes Blut im Stuhl bei Frauen und Männern ab dem Alter von 50 Jahren (jährlich bis zum Alter von 54 Jahren)
  • 2 Darmspiegelungen (im Abstand von 10 Jahren) oder Test auf verborgenes Blut im Stuhl (alle 2 Jahre) bei Frauen und Männern ab dem Alter von 55 Jahren
Gesundheit Check-up
  • Check-up (alle 2 Jahre) bei Frauen und Männern ab dem Alter von 35 Jahren. Dazu gehört eine Ganzkörperuntersuchung mit Blutdruckmessung, Blutproben zur Ermittlung der Blutzucker und Cholesterinwerte, eine Urinuntersuchung und natürlich ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt.

Tipps für Therapie Patienten

  • Die Chemotherapie greift schnellwachsendes Gewebe an, dazu gehört auch die Schleimhaut im Mund und Rachen. Hier kann es zu Entzündungen kommen die schmerzhaft sein können. Zur Behandlung und Vorbeugung ist eine sorgfältige und konsequente Schleimhautpflege sehr wichtig, es muss eine weiche Zahnbürste benutzt werden. Das Essen und Trinken muss angepasst werden. Z.B. sind saure und scharfe Speisen bei Mundschleimhautentzündungen zu vermeiden. Auch sehr heiße Getränke sollten Sie nicht zu sich nehmen. Auf rauchen sollte wenn möglich, verzichtet werden, denn es trägt mit zur Schleimhautschädigung bei. Versuchen Sie ausreichend zu trinken. Spülen Sie den Mund nach jeder Mahlzeit mit ungesüßtem Salbeitee oder Pfefferminztee gründlich aus. Ziel ist eine saubere und glatte Mundschleimhaut an dem sich keine Keime anheften können. Sollten Sie am Zahnfleisch, an den Wangeninnenseiten, am Gaumen oder an der Zunge gerötete Stellen oder weißliche Beläge bemerken die möglicherweise auch schon schmerzempfindlich sind, dann sprechen Sie uns bitte an. Denn dann ist ein medikamentöses Handeln erforderlich.
  • Langes Duschen meiden, da die Haut austrockenen kann. Bitte benutzen Sie nach Möglichkeit Einmalwaschlappen und eine pH neutrale Waschmittellotion für die schweißbildenden Körperregionen. Für den Rest des Körpers genügt Wasser. Nach dem Waschen bitte sorgfältig eincremen
  • Müdigkeit und Erschöpfung können Nebenwirkungen einer Krebstherapie sein. Grund dafür ist unter anderem die durch die Therapie verursachte Blutarmut. Körperliche Aktivität wirkt Wunder. Patienten, die sich trotz der Krankheit bewegen, fühlen sich während der Therapie kraftvoller und minimieren die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. Auch das Abdriften der Erschöpfung in die chronische Fatigue (tumorbedingte oder therapiebedingte Abgeschlagenheit und Müdigkeit) kann somit häufig verhindert werden. Wichtig ist allerdings die Balance zwischen An- und Überforderung zu finden. Mit den Kräften muss gehaushaltet werden und die Ziele müssen realistisch gesteckt werden.
  • Schäden an den Nerven der Hände und Füße können Folgen einer Krebstherapie sein. Diese äußern sich durch Veränderungen der Sensibilität, vermindertes Tastempfinden und ein beginnendes Taubheitsgefühl an Händen und Füßen (=Polyneuropathie). Häufig kann diese Nebenwirkung bei den Medikamenten Oxaliplatin, Taxol und Taxotere auftreten. Durch das Vermeiden von Kälte können die Beschwerden durch Polyneuropathie abgemildert werden. Bei kaltem Wetter empfiehlt es sich, Handschuhe und dicke Socken zu tragen. Experten raten außerdem zu regelmäßigen Bewegungsübungen. Gängig sind Knetübungen mit den Händen und die Füße über Rollen gleiten zu lassen. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen während der Medikamentengabe kann polyneuropathische Beschwerden mildern.
  • Durch eine Krebstherapie werden leider nicht nur die Krebszellen, sondern auch Abwehrzellen des Körpers in Mitleidenschaft gezogen. Daher sollte wegen der Infektgefahr besonders auf Händehygiene geachtet werden. Größere Menschenansammlungen und öffentlich stark frequentierte Orte sollten gemieden werden. Wenn sie Fieber bekommen, melden Sie sich bitte in unserer Praxis und außerhalb der Öffnungszeiten im nächsten Krankenhaus.
  • Bitte halten Sie keine Diät. Diese sind zum Teil sehr einseitig und können daher sogar Schaden. Versuchen Sie ausreichend zu trinken. 2-3 l/Tag helfen dabei, Medikamente auszuscheiden, die Schleimhäute zu schützen und Verstopfungen vorzubeugen.
  • Gegen Übelkeit und Erbrechen bekommen Sie in der Praxis im Voraus einige Medikamente. Dabei achten wir ganz besonders auf den zeitlichen Ablauf und die korrekte Einhaltung des Behandlungsschemas damit Übelkeit und Erbrechen erst gar nicht aufkommen. Verbindet der Patient erst einmal Übelkeit und Erbrechen mit der Infusion, schleppt er diese Abwehrhaltung womöglich mit zu jeder neuen Chemotherapiesitzung mit. Sollte dennoch eine leichte Übelkeit auftreten, können weitere Medikamente gegen die akuten Beschwerden eingenommen werden. Belastende Übelkeit und Brechreiz gehören heute zur Geschichte.